 |
Sonntag, 19. September
1999
15.00 Uhr
|
 |
 |
|
QUERELLE - EIN PAKT MIT DEM TEUFEL
D 1982
Regie: Rainer Werner Fassbinder
Buch: Rainer Werner Fassbinder + Burkhard Driest nach dem Roman von Jean
Genet
mit: Brad Davis Franco Nero, Jeanne Moreau, Laurent Malet;
108 Min. - 35mm - FSK: ab 18
Verleih: Kulturpark München
Jean Genets lange umstrittene Geschichte vom Matrosen Querelle, der
in Mord und Verrat seine wahre Erfüllung zu finden glaubt und sich erst
aus Sühne und später aus Faszination, aber ohne zu wahren Gefühlen fähig
zu sein, von Männern lieben läßt, ist eine äußerst artifizielle, in einer
hermetischen Atelierwelt inszenierte Studie über den Zusammenhang von
Sexualität und Gewalt.
Die so geschaffene Distanz zwischen Erzählung und Zuschauer erlaubt eine
tatsächliche Auseinandersetzung mit dem Stoff und seinen, die gängigen
Moralvorstellungen in Frage stellenden Provokationen.
Fassbinder feiert hymnisch die Homosexualität seiner Helden und verklärt
romantisch ihr Außenseiterdasein, zeigt aber seine sichtlich fiktiven
Gestalten zugleich als brutale Todesengel. Das letzte Werk des 1983 verstorbenen
Regisseurs ist ein gleichermaßen irritierender wie ästhetisch faszinierender
Film.
|
|
|
|
USA 1996
Regie: Adam Rodgers
Buch: Catherine May Levin
mit: Melinda Mullins, Tamara Tunie, Caitlin Dulany;
115 Min. - OF - 16mm
Pilgrims 4 Corporation
Plötzlich - sozusagen über Nacht - bekommt die attraktive Mittvierzigerin
Toni beim Anblick von Frauen weiche Knie. Den ärztlichen Befund ihres
Lovers, es handle sich dabei um ein vorübergehendes hormonelles Ungleichgewicht,
entlarvt sie sofort als glatte Fehldiagnose. Entschlossen, das Geheimnis
ihrer neuen Sehnsucht zu ergründen, wagt sie sich erstmals in den schwul-lesbischen
Buchladen ihres Viertels und kurze Zeit später sogar in eine Lesbenbar.
Gleich bei ihrem ersten Besuch dort verliert sie ihr Herz an eine kühle
Blonde und kollidiert mit deren Loverin. Nun gibt es kein Zurück mehr
für Toni. Läßt sie anfangs bei ihren sehr amüsanten Streifzügen durch
die Lesbenszene kein Fettnäpfchen aus, so lernt sie doch erstaunlich schnell.
Rescuing Desire ist eine der vergnüglichsten, warmherzigsten Coming-Out-Komödien
überhaupt und war und ist weltweit der Publikumsliebling auf Festivals.
Wir bemühen uns seit Jahren, den Film endlich auch nach Esslingen zu bringen.
Bislang scheiterte dies leider an völlig überzogenen Preisvorstellungen
der Produzenten. Doch Ausdauer wird anscheinend doch irgendwann belohnt,
und so ist es dieses Jahr also endlich so weit.
|
|
Sonntag,
19. September 1999
20.00 Uhr
|
|
|
SIGNALSTÖRUNG
D 1997
Regie + Buch: Thomas Mank
Musik: Bernd Schultheis
mit: Caspar Dietrich, Bernd Eichhorn, Robert Simon;
Sprecher: Manfred Callsen
78 Min. - 35mm
GMfilms
Die Diagnose Aids bedeutet einen Stillstand. In Bewegung kommen die
Gedanken, Erinnerungen, Bilder fließen.
Thomas Mank hat für Signalstörung eine eigenwillige, originäre, poetische
Form gefunden. Das Genre ist nicht so richtig festzulegen.
Der Stillstand ist gleich am Anfang da und hält an: ein Dauer- und Warnton
begleitet den Film, ab und zu von Cello-Einsätzen überlagert. Daran ändert
sich nichts. Auch die ZuschauerInnen werden lernen, mit der Störung zu
leben.
Die Kamera dagegen ist in Fahrt. Das Tempo wechselt, die Zeiten auch:
die sechziger, siebziger Jahre. Was die Bilderfluten zusammenhält, ist
eine Stimme aus dem Off.
Die Erinnerung puzzelt eine Biographie zusammen. Erzählt wird von Unsicherheiten
in der Kindheit, von der Ungeborgenheit in der Sexualität, von homosexuellen
Praktiken, vom Leben auf der Aids-Station.
Signalstörung erlaubt und fordert die Beteiligung der ZuschauerInnen.
Tröstlich und nicht betroffen machend ist der Film, einfühlsam, emotional
stark, formal gekonnt. Sein Geheimnis: vom Thema Aids sich nicht verstören
lassen, sondern statt dessen die Störung offensiv, kreativ und human künstlerisch
gestalten.
Thomas Mank, der Regisseur des Films, wird zur Vorführung seines Films
anwesend sein und im Anschluß für ein Gespräch zur Verfügung stehen.
Eingeladen haben wir außerdem den Musiker Bernd Schultheis, BesucherInnen
des Esslinger Stummfilmfests ein Begriff durch seine Kompositionen zu
Die beiden Schüchternen und Sodom und Gomhorrha. Aus Termingründen konnte
er sein Kommen nicht verbindlich zusagen.
|
Zusammen mit:
Amnesia
|